Episoden

Episoden aus 40 Jahren Tätigkeit als Statiker und Bauleiter

Falsche Bewehrung in einer Decke unter schweren nichttragenden Wänden.

Bei einer Bauträgermaßnahme hatte der Bauleiter des Bauträgers beim Bauunternehmer veranlasst, das anderes Steinmaterial für "leichte Trennwände" verwendet werden sollte. Der Bauunternehmer ging davon aus, dass dies mit dem Statik abgestimmt war. Dies war aber nicht so. Die Decke war nach der Fertigstellung nicht tragfähig. Der Bauträger hat darauf hin dem Bauunternehmer Abschlagsrechnungen nicht bezahlt. Nach langen Streitigkeiten hatte uns der Rechtsanwalt des Bauunternehmers eingeschaltet. Der Bauunternehmer stand inzwischen kurz vor der Insolvenz. Der Statiker des Bauträgers sah keine Möglichkeit, die Decke als standsicher nachzuweisen. Wir haben mit unserer FEM-Software Reserven in der Bewehrung gefunden und aktivieren können, somit die Decke als standsicher nachgewiesen. Nur sehr unwillig, erst nach Androhung, dass er unter Umständen für die Insolvenz des Unternehmers mit verantwortlich gemacht werden könnte, wollte der Prüfstatiker unsere Rechenansätze akzeptieren.

Komfortables Einfamilienhaus auf angefülltem Boden eines ehemaligen Bachlaufes

Wir haben die Tragwerksplanung für ein aufwändiges Einfamilienhaus berechnet. Ein Bodengutachten sollte nicht in Auftrag gegeben werden. "Dies sei für ein Einfamilienhaus nicht notwendig". Bei einer zufälligen, nicht geplanten Besichtigung der Aushubarbeiten, stellten wir fest, dass mit dem Boden etwas nicht stimmen kann. Wir haben den Architekten aufgefordert nun doch endlich ein Bodengutachten zu beauftragen. Dies geschah dann auch und es wurde dabei festgestellt, dass sich unter dem als tragfähig vermuteten Erdreich, angefüllter Boden eines verfüllten ehemaligen, begradigten Baulaufes befand. Ergebnis, es musste eine teure Pfahlgründung erstellt werden und die Fundamente wurden als Trägerrost umgerechnet.

Aufzug soll zwischen den Geschossen verspringen.

Ein Bauherr, für den wir schon sehr oft tätig waren, als Architekten als auch als Statiker, musste, um an das Grundstück zu kommen, einen anderen Architekten beauftragen. Wir wurden dann vom Architekten mit der Statik beauftragt. Ein Gebäude mit drei Geschossen über einer Tiefgarage. Wir stellten fest, dass keine tragenden Bauteile sinnvoll übereinander standen. Um nicht hohe Unterzüge in der Tiefgarage einzuplanen, was wir nur in seltenen Fällen als letzte Möglichkeit ansehen, haben wir tragende Stahlbetonwandscheiben mit Türöffnungen als Falttragwerk vorgesehen, weil die Wände auch nicht in ihrer Tragrichtung durchgingen. Aber im Bereich des Aufzuges waren wir mit unserem Latein am Ende, dieser Aufzug versprang in einem Geschoss um seine eigene Breite, offensichtlich ein Fehler im Plan. Den Architekt darauf angesprochen, erwiderte nur barsch, das können ja nun wirklich sein, sei Sohn arbeite schließlich mit CAD. Es war keine konstruktives Weiterkommen zwischen uns möglich, wir wurden vom Architekten gekündigt. Von dem Prüfstatiker haben wir später erfahren, dass der dann beauftragte neue Statiker dann zunächst eine unbrauchbare Statik zur Prüfung vorgelegt hatte. Er hatte offensichtlich auch erhebliche Probleme mit dem Architekten und seinen CAD Plänen. In die Tiefgarage sind dann später hohe Unterzüge eingebaut worden, was zu nicht unbeachtlichen Mehrkosten führte.

Einsturzgefahr eines Fachwerkgiebels

Ein Architekt beauftrage uns, eine alte Kellerdecke zu untersuchen. Wir besichtigten das Gebäude gemeinsam, die Kellerdecke wurde von uns als noch zu retten betrachtet. Als bedenklich einsturzgefährdet erwies sich allerdings aus unserer Sicht die Fachwerkgiebelwand. Sie drohte jeden Augenblick auf die PKW´s eines angrenzenden innerstädtischen Parkplatze zu kippen. Der Bauherr war aus finanziellen Gründen nicht bereit, Abstützungsmaßnahmen zur Sicherung der Wand zu beauftragen. Da "Gefahr in Verzug" war, hatten wir das Bauordnungsamt eingeschaltet und von der Gefahr überzeugt. Sie ging sofort mit einer Kostenübernahme in Vorleistung, wir beauftragten mit dem Architekten einen Unternehmer zur sofortigen Notabstützung der Wand. Die Stadtverwaltung hatte anschließend eine entsprechende Eintragung in das Grundbuch zur Absicherung ihrer Vorleistung vornehmen zu lassen. Die Giebelwand wurde anschließend saniert.

Achtgeschossige Klinkerfassade vor dem Einsturz bewahrt

Der Bauleiter eines Wohnungsunternehmens, für das wir schön öfter gearbeitet hatten, fragte nach, ob wir ihm einige Dübel für seine Ausschreibung berechnen könnten. Er wollte ein Wärmedämm Verbund System ausschreiben, das er am Klinker an dübeln wollt. Es handelte sich um ein Gebäude aus Anfang der 70er Jahre. Auf Grund von uns vorliegenden Berichten von Bauschäden gaben wir ihm an, dass er durch den Klinker hindurch, bis in das Hintermauerwerk dübeln müsse, weil die damals nur verzinkten Luftschichtanker vermutlich schon stark angerostet sein würden. Weil er uns nicht glauben wollte, wurden an mehreren Stellen die Fassaden geöffnet und festgestellt, dass wir mit unserer Vermutung richtig gelegen hatten. In diesem Fall war uns unsere sehr umfangreiche eigene Literaturdatenbank über unsere eigenen Literaturbestände wieder mal sehr hilfreich.

Einsturz einer Kellerdecke verhindert

Im Zusammenhang einer Bewehrungsabnahme hatte ich mir die auf gekröpften Stäbe, die aus der Filigrandecke an einem deckengleichen Sturz herausragten genauer angesehen und aus unerfindlichen Gründen angefasst und versucht weiter hoch zu biegen. Ein völlig unsinniger Gedanke gewöhnlich. Ich konnte aber dabei das komplette Eisen aus dem erhärteten Beton heraus reißen. Da das an dem guten Frühstück nicht gelegen haben konnte, versuchte ich das bei weiteren Bewehrungsstäben. Auch diese ließen sich heraus reißen. Umgehend wurde der bestellt Beton abbestellt und die Baustelle still gelegt. Was war passiert? Durch Rückfrage bei einem anderen Filigranwerk, ein Kunde, der unsere Software gekauft hatte, konnten wir internes erfahren. Wenn die Filigranwerke sehr viel Arbeit haben, werden manchmal die Fertigungstische zu hoch temperiert, damit die Platten schneller transportreif sind. Dies muss hier geschehen sein. Der Beton war "verbrannt" und nicht tragfähig. Alle Filigranplatten wurden wieder von der Schalung genommen und nach einigen Tagen durch neue Platten ersetzt.

Undichter Betonkeller - Auch Sachverständige lernen hinzu.

Wir hatten schon über 20 Jahre mit der Herstellung "Wasserdichter Betonkeller" Erfahrung, als eines Tages einer unserer größeren Auftraggeber bekannt gab, dass ein Keller eines Einfamilienhauses komplett undicht sei. Wir konnten uns das nicht erklären, was war geschehen? In diesem Fall hatten wir die Statik für ein anderes Architekturbüro erstellt, das auch für diesen Auftraggeber tätig war. Es hatte die Erstellung des Betonkellers nicht so ausgeschrieben wie wir es für gewöhnlich gemacht hatten. Die Erwerberin des Hauses war bekannt mit dem Leiter des Hochbauamtes einer größeren Stadt an der Lippe. Dieser wusste direkt, dass dieser Keller auf Grund unserer Statik mit viel zu geringer Bewehrung erstellt wurde und deswegen natürlich undicht sei. Darauf wies auch umgehend ein von Erwerber Seite beauftragter Sachverständiger hin. Wir nahmen in der Form kurze Stellung zu dem Gutachten, dass wir unsere 20 Jahre Erfahrung mit einer minimierten Bewehrung und Ausführungshinweisen der Fa. Quintig gemacht haben und diese Keller alle dicht sind. Es könne sich nur auf einen Ausführungsfehler handeln. Damit gab man sich nicht zufrieden, man wollte einen "schuldigen" Statiker haben. Der Sachverständige kam zu einem Termin zu uns in das Büro, er wollte mehr zu der minimierten Bewehrung wissen. Wir wiesen auf unsere sehr umfangreiche Literatur, unter anderem auch von G. Meyer hin. Die kannte er nicht und wollte sich noch mal mit seinem Gutachten beschäftigen. Dass es so umfangreiche Literatur zu wasserdichtem Beton gibt, erstaune ihn auch. Einige Zeit später kam eine Ergänzung des Gutachtens in dem festgestellt wurde, dass unsere Bewehrung in der Bodenplatte aus statischer Sicht viel zu gering sei. Auch dies konnten wir dem Sachverständigen widerlegen. Wir berechnen solche Bodenplatten aus einer Kombination von "elastisch gebetteter Bodenplatte" mit "versteckten Streifenfundamenten". Danach sei mehr als genug Bewehrung vorhanden. Wir wiesen noch mal darauf hin, dass es sich ja wohl nur um einen Ausführungsfehler handeln könne. Ein letzter Versuch des Sachverständigen uns als für das Dilemma ausfindig gemacht zu haben endetet damit, dass auch für diese Version unseres Hinweises auf unsere Statik er eine zu geringe Bewehrung fest stellt. Wir wiesen darauf hin, dass die Bodenplatte zudem über die Bewehrung in die Kellerwände eingespannt sei und somit mehr als reichlich Reserve in der Bewehrung vorhanden sein würde. Jetzt endlich wurde wo anders nach der Ursache gesucht und diese auch gefunden, wie wir vermutet hatten. Die gesamte Bodenplatte wurde mit Beton betoniert, der so gut wie keinen Feinanteil an Betonkies auswies. So kann WU-Beton nicht funktionieren. Diese Bodenplatte wurde anschließend dauerhaft dadurch gedichtet, dass ca. 280 Kunstharz Packer gesetzt wurden. Anmerkung: Heute sind nach der jetzt gültigen DIN 1045 solche Ausführungen von sparsam bewehrten Betonkellern nicht mehr möglich. Nach der jetzigen DIN müssten alle unsere Betonkeller schlagartig undicht sein. Heute kosten diese Keller erheblich mehr Geld.

Weil wir den Statik Auftrag abgelehnt hatten, bekamen wir einen Generalauftrag

Eines unserer ersten größeren Projekte, eine Statik für eine Hotelaufstockung, haben wir nach eingehender Betrachtung abgelehnt, weil wir das Projekt nicht für sinnvoll durchführbar gehalten haben. Es sollten auf ein zu erhaltendes Erdgeschoss mit darunter liegendem Schwimmbad eines alten Hotels, fünf neue Geschosse darüber gebaut werden. Kleine dünne Stützen sollten alles durch beide vorhandenen Geschosse abtragen. Bauherr und Architekt wollten unsere Befürchtungen nicht teilen, worauf hin wir einen Termin mit dem Bauherren, einem Prüfstatiker und einem Sachverständigen für Massivbau anberaumten. In dem Termin gaben uns beide Recht. Daraufhin erhielten wir den Auftrag, das Gebäude so neu zu planen und die Statik zu erstellen, dass die veranschlagten Kosten im Rahmen bleiben.

Einem Prüfstatiker den Prüfauftrag entzogen

Ein befreundeter Architekt rief uns eines Tages an und bat um Hilfe. Er erzählte uns, sein angestellter Statiker komme mit dem Prüfstatiker aus Hamm nicht zurecht. Bei einem dreigeschossigen Wohngebäude wolle der Prüfstatiker den Abschlussbericht nicht erstellen und demzufolge bekämen sie keine Rohbauabnahme. Der Prüfstatiker wollte neue Nachweise der Kellerdecke im Bereich des Randauflagers, weil die aufgehenden Außenwände oben drüber nach innen springen würde. Auf Grund dessen müsse entlang der Kelleraußenwände Stahlrahmen (F90) gestellt werden.

 

Wir haben uns die Sache angesehen und sofort festgestellt, dass diese Nachweise nicht notwendig seinen. Wir teilten dies dem Architekten zwecks Weitergabe an den Prüfstatiker schriftlich mit. Der Prüfstatiker bestand trotzdem weiter auf seine Forderungen. Wir erkundigten uns bei den Prüfstatikern, die für uns normalerweise tätig werden, alle gaben uns Recht, die Nachweise seinen nicht notwendig. Ein Telefonat mit dem Landesamt für Prüfstatik ergab, dass wir doch dem Prüfstatiker entgegenkommen sollten und die Nachweise erbringen sollten, einschl. des Einbaues der Stahlrahmen. Da wir auch für den Bauherren sehr oft tätig gewesen sind und ihm auf keinem Fall die hohen Kosten zumuten wollten, stimmte er unserem Vorschlag zu, dem Prüfstatiker aus Hamm den Prüfauftrag zu entziehen und unseren Prüfstatiker zu beauftragen, die Angelegenheit abzuschließen. Was dann auch umgehend geschah.

Falsche Akte aus dem Archiv des Bauamtes

Wir sollten für einen Bauunternehmer für einen Umbau einen Sturz unter der EG-Decke eines achtgeschossigen Wohngebäudes, früher ein Gebäude der Neuen Heimat, nachweisen. Gemeinsam haben wir den nachzuweisenden Bereich vor Ort angesehen. Er meinte, die Decken seien ja parallel gespannt, das könne man ja schon vermuten. Ich war anderer Meinung und darauf hin wollten wir uns aus dem Bauarchiv des Bauamtes die Statik zur Einsicht besorgen. Der Mitarbeiter des Archives legte uns die Akte mit der Statik vor. Ich sagte darauf hin, das ist nicht die richtige Statik, es muss noch eine andere geben. Dieser Ordner hatte nicht den für mich typischen Geruch nach starkem Zigarrenrauch von Projekten aus dieser Bauzeit. Mir war bekannt, dass die Statik von einem mir sehr ans Herz gewachsenen alten kriegsverletzten Kollegen neu gerechnet wurde. Dieser Kollege arbeitete früher zur Bauzeit bei einem Bauunternehmer, der oft über ein Nebenangebot seinen Auftrag bekommen hatte. Dieser alte Kollege rechnete viele statische Berechnungen bestimmter Aufsteller aus wirtschaftlichen Gründen neu. So auch diese. In unserem eigenen Archiv befanden sich lange Zeit, bis wir mit dem Einscannen begonnen hatten, auch Ordner von diesem Kollegen, genau mit diesem Geruch nach Zigarrenrauch.

Betondachdecke ohne Abklebung - für Dachdecker ein Problem

In Münster hatten wir ein großes Bürogebäude mit Tiefgarage, befahrbarer Tiefgaragendecke und das Dach des Büros in WU-Beton geplant. Der Dachdecker sollte lediglich eine ausgeschriebene Metallattika anbringen. Er machte den ausschreibenden Architekten und den Projektsteuerer darauf aufmerksam, dass er "Bedenken" anmelde, weil dieses Dach ohne Abklebung ausgeführt werden soll. Der ausschreibende Architekt wurde direkt nervös und wollte entgegen unseren Anweisungen und Ausführungen, das Dach war inzwischen nach Richtlinien für "weiße Dächer" und entsprechenden Kosten für den Bauherrn erstellt, zusätzlich eine Abklebung nach Angaben des Dachdeckers ausführen lassen. Wir konnten uns dennoch durchsetzen. Das Dach wurde wie von uns geplant weiter ausgeführt, ist nach 15 Jahren noch dicht und wird es auch bleiben. Es hat zudem viel geringere Folgekosten als jedes abgeklebte Flachdach.

Ungeplante Stützen in den Wohnzimmern von Doppelhäusern

Bei unzähligen Doppelhäusern einer Bauträgermaßnahme wurde notwendige Bewehrung in der Decke vergessen einzubauen. Als Ergebnis sollten die Hauserwerber mit nicht geplanten Stützen im Wohnzimmer leben, damit die Decke tragfähig ist. Sie waren damit natürlich nicht einverstanden. Zwei Professoren einer TU in NRW glaubten, für mindestens 50.000 € Honorar mit dem Großrechner des Institutes eine alternative Lösung ohne diese Stützen berechnen zu können, waren sich aber noch nicht sicher, ob es eine Lösung geben könnte. Wir haben mit unserer Art Probleme zu bearbeiten, für einen Bruchteil des Honorars, eine Lösung gefunden, in dem wir über andere Rechenansätze mit der zu geringen Bewehrung eine tragfähige Decke nachweisen konnten. Der Nachweis wurde von einem Prüfstatiker als richtig akzeptiert.